Biomechanik & Kinematik des Dartwurfs: Evidenz & Messwerte
Zusammenfassung der wichtigsten Forschungsergebnisse
Eine sehr gute Wurftechnik im Dart kann auf zwei Wegen entstehen. Entweder entsteht Präzision durch eine Bewegung, die ein größeres günstiges Zeitfenster für den Abwurf erzeugt. In diesem Fall bleibt der Wurf auch dann genau, wenn der Loslasszeitpunkt minimal schwankt. Oder die Präzision entsteht durch sehr gleichmäßiges Timing, bei dem der Abwurf nahezu immer im gleichen Moment erfolgt. Beide Wege wurden bei erfahrenen Spielerinnen und Spielern beobachtet und beide funktionieren zuverlässig. Diese Grundidee zieht sich als roter Faden durch mehrere Untersuchungen.
Zwei Strategien führen zur Genauigkeit
Studien mit Hochgeschwindigkeitskameras zeigen, dass geübte Werferinnen und Werfer entweder ein deutlich nutzbares Zeitfenster in ihrer Handbewegung erzeugen oder ein sehr konstantes Timing etablieren. Ein Teil der Könnerinnen und Könner besitzt keine geringere Timingstreuung als Anfängerinnen und Anfänger, trifft aber dennoch, weil die Handtrajektorie mehrere nahe günstige Momente zum Loslassen bietet. Ein anderer Teil löst den Dart immer an nahezu derselben Stelle des Bewegungsablaufs. Beide Strategien sind valide Wege zur Präzision. Die Kernaussage lautet, dass es nicht die eine perfekte Technik gibt, sondern zwei funktionierende Lösungen, die zum eigenen Stil passen dürfen.
Was die Armkinematik zum Zeitpunkt des Abwurfs verrät
Analysen der Gelenkwinkel und Winkelgeschwindigkeiten machen deutlich, dass das Spielniveau und die Zielhöhe eine Rolle spielen. Fortgeschrittene halten die Bewegungen an Schulter und Unterarm zum Release stabiler als Personen mittleren Niveaus. Sie sind weniger anfällig für Veränderungen, wenn sie auf hohe oder tiefe Felder werfen. In Gruppen mit mittlerem Niveau verändern sich die Geschwindigkeiten an Schulter und Unterarm je nach Zielhöhe stärker. Das deutet auf eine robustere Steuerung bei Fortgeschrittenen hin, die die entscheidenden Parameter unabhängig von der Höhe des Ziels konstanter halten.
Warum das Handgelenk eine schräg verlaufende Hauptebene nutzt
Die Funktion des Handgelenks wird in der Fachliteratur mit der sogenannten Dart Throwing Motion beschrieben. Diese Bewegung verläuft in einer schrägen Ebene von radialer Extension zu ulnarer Flexion. In dieser Ebene bleibt die proximale Handwurzel vergleichsweise ruhig. Das schafft eine stabile Basis, über die die Endbeschleunigung zielgerichtet in den Dart übertragen werden kann. Der kurze Schnappanteil am Ende des Wurfs ist daher keine reine Beugung oder Streckung, sondern eine Bewegung entlang dieser schrägen Ebene. Diese Sichtweise erklärt, warum Videos von sehr guten Werferinnen und Werfern oft einen weichen und zielgerichteten Auslauf der Hand zeigen.
Einfluss von Distanz und Gewicht
Das motorische System passt sich an die äußeren Bedingungen an. Bei größerer Zielentfernung verlängert sich die Bewegungszeit, der Arm bewegt sich über eine größere Amplitude und die Abwurfgeschwindigkeit steigt. Gleichzeitig wird der durchschnittliche Fehler größer. Ein schwererer Dart beeinflusst vor allem den Abwurfwinkel. Dieser fällt tendenziell kleiner aus. Andere kinematische Kennwerte verändern sich durch das Gewicht weniger deutlich. Wer Technikdaten beurteilt, sollte Distanz und Dartmasse immer mitdenken, denn sie verschieben die innere Steuerung des Wurfs.
Ermüdung verändert Ausführung und Ergebnis
Sowohl mentale als auch muskuläre Ermüdung verschlechtern die Treffer. Muskuläre Ermüdung hat in den vorliegenden Daten den stärksten negativen Effekt. In den Bewegungsdaten zeigt sich vor allem eine niedrigere mittlere Ellbogengeschwindigkeit nach muskulärer Ermüdung. Leistung und Kinematik hängen somit spürbar vom Zustand der Werfenden ab. Wer Technik vergleicht oder Fortschritt messen möchte, sollte dies in vergleichbaren Zuständen tun.
Lernen verändert die Koordination von proximal zu distal
Beobachtungen an Anfängerinnen und Anfängern zeigen, dass sich die Koordination mit Übung systematisch verändert. Zu Beginn wird die Bewegung eher proximal kontrolliert und viele Freiheitsgrade werden gekoppelt. Mit wachsender Übung werden distale Anteile wie Unterarm und Handgelenk funktional freigegeben und die Muster werden konsistenter. Die Art der Übungsumgebung hat Einfluss auf diese Entwicklung. Gleichbleibende Bedingungen fördern andere Kopplungsmuster als Aufgaben mit wechselnder Startposition oder bewegtem Ziel. Diese Ergebnisse passen zu etablierten Modellen des motorischen Lernens.
Was man aus allen Befunden für eine sehr gute Wurftechnik ableiten kann
Eine sehr gute Wurftechnik führt den Arm in einer klaren Ebene und erlaubt dem Handgelenk eine präzise Endbeschleunigung entlang der Dart Throwing Motion. Sie erzeugt entweder ein ausreichend breites günstiges Zeitfenster für den Release oder sie reduziert die Streuung des Abwurfs so weit, dass ein schmales Zeitfenster zuverlässig getroffen wird. Sie bleibt über unterschiedliche Zielhöhen möglichst stabil und verlangt keine ständige Nachjustierung der Schulter und des Unterarms. Sie berücksichtigt die Rahmenbedingungen. Wer weiter entfernt steht, wird mehr Bewegung und mehr Geschwindigkeit benötigen und zugleich etwas mehr Streuung akzeptieren müssen. Wer schwerere Darts nutzt, verändert vor allem den Abwurfwinkel und sollte Messergebnisse entsprechend einordnen. Schließlich achtet eine sehr gute Wurftechnik auf den körperlichen Zustand. Unter Ermüdung verändern sich Treffer und Ausführung, daher gehören Messungen und Lernvergleiche in vergleichbare Zustände.
Grenzen der derzeitigen Evidenz
Viele Studien arbeiten mit kleinen Stichproben. Einige Untersuchungen beziehen sich auf Softdart oder auf besondere Versuchsanordnungen mit standardisierten Zielen. Ergebnisse zu Distanz und Gewicht stammen aus Unterarmwurfsituationen, die nicht jedes Detail des klassischen Steeldarts abbilden. Befunde zu Ermüdung wurden an Erwachsenen ohne regelmäßige Dartpraxis erhoben. Trotz dieser Einschränkungen ergibt sich ein konsistentes Gesamtbild, das die oben beschriebenen Leitplanken sicher stützt.
Kurzfassung
Du kannst über zwei Wege sehr genau werden. Entweder gestaltest du die Bewegung so, dass es innerhalb des Wurfs mehrere gute Momente zum Loslassen gibt. Oder du machst deinen Abwurfzeitpunkt so gleichmäßig, dass du immer im gleichen Moment löst. Beides funktioniert. Ein ruhiger Armweg in einer klaren Ebene und ein kurzer Schnappanteil des Handgelenks in der schrägen Ebene sind dabei typische Merkmale. Zielhöhe, Distanz, Dartgewicht und Ermüdung beeinflussen die Ausführung. Eine sehr gute Technik bleibt unter diesen Bedingungen so stabil wie möglich.
Nasu et al. (2014, PLOS ONE): „Two Types of Motor Strategy for Accurate Dart Throwing“
Nasu, D., Matsuo, T., & Kadota, K. (2014). Two Types of Motor Strategy for Accurate Dart Throwing. PLOS ONE, 9(2), e88536. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0088536
Worum geht’s?
Die Autorinnen und Autoren wollten klären, wie geübte Dartspieler trotz kleiner Schwankungen im Moment des Loslassens sehr genau treffen. Sie prüften, ob Präzision vor allem durch sehr gleichmäßiges Timing entsteht oder ob die Bewegung des Arms so gestaltet wird, dass im Wurf mehrere günstige Momente zum Loslassen vorhanden sind.
Wie wurde das untersucht
Acht erfahrene Spielerinnen und Spieler und acht Anfängerinnen und Anfänger warfen jeweils sechzig Darts auf das Bull. Ein Kamerasystem mit hoher Bildrate zeichnete Hand und Arm auf, und der genaue Abwurfzeitpunkt wurde bestimmt. Ausgewertet wurde vor allem die vertikale Abweichung, weil horizontale Abweichungen beim Dartwurf weniger stark vom Timing abhängen.
Was kam heraus
In der Expertengruppe zeigten sich zwei funktionierende Wege zur Genauigkeit. Einige erreichten hohe Präzision mit sehr konstantem Timing und ließen den Dart nahezu immer im gleichen Moment los. Andere hatten ein Timing, das in seiner Streuung Anfängerinnen und Anfängern ähnelte, trafen aber trotzdem, weil ihre Handbewegung ein größeres günstiges Zeitfenster für den Abwurf bot. Beide Strategien führten zu guten Ergebnissen. Die Studie betont damit, dass es nicht nur einen einzig richtigen Technikweg gibt, sondern mehrere Lösungswege, die zur Person passen können.
Was bedeutet das für den Dart Spieler
Wer genauer werden möchte, kann den Schwerpunkt entweder auf einen wiederkehrenden Rhythmus und damit auf ein sehr gleichmäßiges Timing legen oder die Bewegungsbahn so beruhigen, dass kleine Timing Schwankungen weniger ins Gewicht fallen. Beide Ansätze sind legitim und können je nach eigenem Stil unterschiedlich gut funktionieren.
Huang et al. (2024): „Upper-limb joint kinematics analysis of accuracy dart throwing …“
Huang T Y, Hamill J, Yang H, Tang W T. Upper limb joint kinematics analysis of accuracy dart throwing at different vertical targets between different level dart players. Journal of Human Sport and Exercise. Band 19 Heft 3 Seiten 722 bis 736. doi 10.55860/x54dcc14.
https://www.jhse.es/index.php/jhse/article/download/joint-kinematics-analysis-accuracy-dart-throwing/4/269
Worum geht’s?
Die Studie untersucht, wie sich die Gelenkbewegungen von Schulter, Ellbogen und Handgelenk beim Dartwurf unterscheiden, wenn Spieler auf unterschiedlich hohe Zielbereiche werfen und wenn sich das Spielniveau unterscheidet. Ziel war es zu klären, welche Feinabstimmungen der Armkinematik die Trefferquote stützen und wie sich fortgeschrittene Spieler gegenüber Spielerinnen und Spielern mit mittlerem Niveau verhalten.
Wie wurde das untersucht
Es nahmen sechzehn Personen aus der chinesisch taiwanischen Darts Föderation teil. Acht gehörten zur fortgeschrittenen Gruppe und acht zur mittleren Gruppe, eingestuft über das Phoenix Rating. Alle warfen auf drei vertikale Zielhöhen, also höher, Mitte und niedriger. Ein dreidimensionales Motion Capture System zeichnete die Bewegungen mit Markern auf. Ausgewertet wurden vor allem Winkel und Winkelgeschwindigkeiten in der Beschleunigungsphase und genau zum Moment des Abwurfs. Die Autoren definierten die Wurfphasen präzise und legten den Fokus der Analysen auf die Beschleunigungsphase bis zum Release.
Was kam heraus
Es zeigte sich eine deutliche Abhängigkeit zwischen Spielniveau und Zielhöhe für zwei Kennwerte. Gemeint sind die Schulterinnenrotationsgeschwindigkeit und die Supinationsgeschwindigkeit am Ellbogen zum Zeitpunkt des Abwurfs. In der mittleren Gruppe änderten sich diese Geschwindigkeiten messbar zwischen höherem, mittlerem und niedrigerem Ziel. In der fortgeschrittenen Gruppe traten diese Veränderungen nicht in gleicher Weise auf. Das spricht für eine stabilere und konstantere Steuerung der Armkinematik bei Fortgeschrittenen, unabhängig von der Zielhöhe. Zusätzlich berichtet die Studie, dass präzises Werfen beziehungsweise das Werfen sehr leichter Darts eher mit größerem Ellbogenpronationswinkel und mit hoher Beugegeschwindigkeit des Handgelenks zum Release einhergeht.
Was bedeutet das für den Dart Spieler
Fortgeschrittene Werfer halten die Gelenkbewegungen in entscheidenden Momenten konstanter und sind weniger anfällig für Veränderungen durch die Zielhöhe. Wer noch auf mittlerem Niveau spielt, passt Schulter und Ellbogen beim Wechsel zwischen hohen und tiefen Zielen eher an und zeigt dadurch mehr Schwankung. Für das Verständnis der Technik heißt das: Stabilität in der Schulterinnenrotation und in der Unterarmdrehung zum Abwurf ist ein Merkmal von geübten Werfen. Außerdem unterstreicht die Studie die Bedeutung einer schnellen Handgelenkbeugung im Augenblick des Loslassens sowie eines passenden Unterarmdrehwinkels, wenn es um Präzision geht.
Tran et al. (2019): „Coordination of human movements resulting in motor expertise of dart throwing“
Tran BN, Yano S, Kondo T. Coordination of human movements resulting in motor strategies exploited by skilled players during a throwing task. PLOS ONE. 2019 Oct 17. 14 e0223837. doi 10.1371/journal.pone.0223837. Frei zugänglicher Volltext.
https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371%2Fjournal.pone.0223837
Worum geht’s?
Die Studie untersucht, welche Bewegungsmerkmale und Steuerungsstrategien erfahrene Dartspieler nutzen, um sehr präzise zu werfen. Die Autorinnen und Autoren wollten klären, ob es unterschiedliche Wege zur Genauigkeit gibt und welche kinematischen Größen diese Wege kennzeichnen.
Wie wurde das untersucht
Acht Expertinnen und Experten führten jeweils zweiundvierzig Würfe auf das Bull aus. Sechs Hochgeschwindigkeitskameras mit zweihundert Bildern pro Sekunde erfassten die Bewegungen von Schulter, Ellbogen, Handgelenk und Dart. Aus Hand und Darttrajektorien wurde eine zeitabhängige Fehlerkurve berechnet, mit der sich die Empfindlichkeit gegenüber Timing sowie das nutzbare Zeitfenster für einen erfolgreichen Abwurf beschreiben lassen. Zusätzlich wurden zum Abwurfzeitpunkt die Geschwindigkeit des Darts und die Winkelkinematik von Ellbogen und Handgelenk ausgewertet.
Was kam heraus
Die Ergebnisse bestätigen zwei Strategien, mit denen Expertinnen und Experten Genauigkeit erreichen. Einige reduzieren die Timingempfindlichkeit, indem sie die Handbewegung so planen, dass sich vor dem Loslassen ein längeres Zeitfenster für einen erfolgreichen Abwurf ergibt. Andere reduzieren den Timingfehler selbst und lösen sehr konstant im gleichen Moment aus. Beide Strategien entstehen durch räumliche und zeitliche Kontrolle der Handbahn. Darüber hinaus zeigt die Studie deutliche Zusammenhänge zwischen dem Zeitfenster und zwei Messgrößen. Ein höheres Darttempo zum Release sowie eine größere Winkelbeschleunigung im Handgelenk gehen mit einem längeren nutzbaren Zeitfenster einher. Für den Ellbogen fand sich kein entsprechender Zusammenhang. Die Autorinnen und Autoren folgern, dass nicht allein die Form der Handbahn über Erfolg entscheidet, sondern dass auch Freigabegeschwindigkeit des Projektils und die Beschleunigung des Handgelenks wichtige Merkmale der gewählten Strategie sind.
Was bedeutet das für den Dart Spieler
Präziser Wurf ist das Ergebnis von zwei möglichen Wegen, die beide auf hohem Niveau funktionieren. Entweder wird die Bewegung so gestaltet, dass der Abwurf über einen etwas längeren Abschnitt des Bewegungsablaufs erfolgreich sein kann, oder der Abwurfzeitpunkt wird sehr konstant wiederholt. Ein höheres Tempo des Darts beim Loslassen und eine schnelle Beschleunigung im Handgelenk stehen dabei in Verbindung mit einem größeren nutzbaren Zeitfenster. Welche Kombination besser passt, ist individuell und ergibt sich aus der bevorzugten Steuerung von Bewegung und Timing.
Campos et al. (2019): „Distance/Weight effects on kinematic variables in underarm dart throwing“
Campos C E, Lage G M, Andrade A G P, Couto C R, Santos S P, Profeta V L S, Ugrinowitsch H. Changes on movement control of dart throwing under distance and target weight constraints. Journal of Human Sport and Exercise. 2019. 14 4. Seiten 925 bis 933. doi 10.14198 jhse.2019.144.20. Open Access Zusammenfassung über die University of Nebraska Lincoln.
https://digitalcommons.unl.edu/athleticresearch/10/
Worum geht’s?
Die Studie prüft, wie Zielentfernung und Dartgewicht die Bewegungsausführung und die Treffgenauigkeit beim Unterarmwurf beeinflussen. Untersucht werden kinematische Kennwerte wie Bewegungsamplitude, Abwurfhöhe, Bewegungszeit, Abwurfgeschwindigkeit und Abwurfwinkel. Ziel ist es zu verstehen, wie sich das motorische System an äußere Bedingungen anpasst.
Wie wurde das untersucht
Fünf Personen nahmen teil, vier Frauen und ein Mann. Geworfen wurde auf runde Ziele aus zwei Distanzen, einmal zwei Meter und einmal drei Meter. Verwendet wurden zwei Dartmassen mit zweiundzwanzig Gramm und vierundvierzig Gramm. Nach einer mehrtägigen Eingewöhnung mit hohem Wurfvolumen wurden die Würfe eines weiteren Testtages präzise aufgezeichnet. Eine Hochgeschwindigkeitskamera mit einhundert Bildern pro Sekunde erfasste die Bewegungsgrößen. Die Leistung wurde als Abstand des Treffers vom Zentrum gemessen.
Was kam heraus
Ein schwererer Dart veränderte vor allem den Abwurfwinkel, und zwar in Richtung eines kleineren Winkels. Andere kinematische Kennwerte wurden durch das Gewicht nicht in gleichem Maß beeinflusst. Eine größere Zielentfernung führte zu mehr Bewegungszeit, zu größerer Bewegungsamplitude des Arms und zu höherer Abwurfgeschwindigkeit. Gleichzeitig stieg der Trefferfehler mit der Distanz. Zusammengefasst passt das motorische System seine Steuerung an die Rahmenbedingungen an, indem es je nach Entfernung und Gewicht bestimmte Parameter stärker verändert.
Was bedeutet das für den Dart Spieler
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich Technik und Ergebnis nicht nur aus der Bewegung selbst ergeben, sondern spürbar von Entfernung und Implementgewicht geprägt werden. Wer weiter wirft, bewegt den Arm typischerweise länger und schneller und nimmt dabei eher größere Fehler in Kauf. Wer schwerer wirft, verändert vor allem den Abwurfwinkel. Das spricht dafür, Messwerte und Beobachtungen immer im Zusammenhang mit der jeweiligen Distanz und dem Gewicht zu interpretieren.
Meymandi et al. (2023): „Effect of mental & muscular fatigue on accuracy and kinematics“
Meymandi N P, Sanjari M A, Farsi A. The Effect of Mental and Muscular Fatigue on the Accuracy and Kinematics of Dart Throwing. Perceptual and Motor Skills. Jahrgang 130 Ausgabe 2. 2023. doi 10.1177/00315125221146613. Abstract bei Sage und Eintrag bei PubMed verfügbar.
https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/00315125221146613
Worum geht’s?
Die Studie prüft, wie mentale Müdigkeit und muskuläre Müdigkeit die Treffgenauigkeit beim Dartwerfen und die Bewegungsmerkmale des Arms beeinflussen. Ziel war es zu klären, ob beide Arten von Müdigkeit die Leistung spürbar verschlechtern und welche kinematischen Größen sich dabei verändern.
Wie wurde das untersucht
Es nahmen achtundzwanzig gesunde Erwachsene ohne regelmäßige Dart Erfahrung teil. Die Teilnehmenden absolvierten drei Bedingungen. Einmal ohne Müdigkeit. Einmal nach mentaler Ermüdung, die mit einer anspruchsvollen Stroop Aufgabe erzeugt wurde. Und einmal nach muskulärer Ermüdung, die durch ein gezieltes Belastungsprotokoll für die Wurfmuskulatur hervorgerufen wurde. In allen Bedingungen wurden Wurfgenauigkeit und Gelenkkinematik gemessen.
Was kam heraus
Die Treffgenauigkeit war nach mentaler Müdigkeit schlechter als im ausgeruhten Zustand. Nach muskulärer Müdigkeit war sie nochmals schlechter als nach mentaler Müdigkeit. Damit hatte muskuläre Müdigkeit den stärksten negativen Effekt auf die Leistung. In den kinematischen Daten zeigte sich vor allem eine Veränderung der mittleren Ellbogengeschwindigkeit. Diese Geschwindigkeit war nach muskulärer Müdigkeit niedriger als in den beiden anderen Bedingungen. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Ermüdung die Steuerung des Wurfarms verändert und dass muskuläre Faktoren besonders wirksam sind.
Was bedeutet das für den Dart Spieler
Dartwürfe werden unter Ermüdung ungenauer. Mentale Müdigkeit verschlechtert die Treffer, muskuläre Müdigkeit wirkt sich noch stärker aus. Zudem verändert sich die Ausführung. Vor allem der Ellbogen bewegt sich im Durchschnitt langsamer, wenn die Muskulatur ermüdet ist. Wer Ergebnisse beurteilt, sollte daher immer den Ermüdungszustand berücksichtigen.
Jeansonne et al. (ISB 2003): „The biomechanics of dart throwing: changes during practice“
Jeansonne J J, Li L, Magill R A. The biomechanics of dart throwing. The effect of environmental context on learning. Abstract der International Society of Biomechanics Kongressausgabe 2003. Verfügbar über die ISB Kurzabstracts.
https://isbweb.org/images/conf/2003/shortAbstracts/JEANSONNE_190-199_OT_E.pdf
Worum geht’s?
Die Autorinnen und Autoren wollten verstehen, wie sich die Koordination beim Erlernen des Dartwerfens über die Zeit verändert und welchen Einfluss die Übungsumgebung hat. Gemeint ist zum Beispiel, ob das Ziel fest steht oder sich bewegt und ob sich die Startposition des Ziels zwischen den Würfen verändert. Die Arbeit knüpft an klassische Lernmodelle an, nach denen Anfänger zu Beginn Bewegungen eher einschränken und nach und nach mehr Freiheitsgrade nutzen.
Wie wurde das untersucht
Novizen warfen an drei aufeinanderfolgenden Tagen sehr viele Darts auf runde Ziele. Es gab vier Aufgabenvarianten. Einmal ein stationäres Ziel ohne Veränderung zwischen den Würfen. Einmal ein stationäres Ziel mit wechselnder Startposition. Einmal ein bewegtes Ziel ohne Wechsel der Startposition. Und einmal ein bewegtes Ziel mit wechselnder Startposition. Die Forschenden zeichneten in regelmäßigen Abständen die Kinematik mit einem acht Kameras System und reflektierenden Markern am gesamten Oberkörper und am Dart auf und werteten Lage und Kopplung der Gelenke aus.
Was kam heraus
Mit zunehmender Übung wurden die Bewegungsmuster von Tag zu Tag konsistenter. Die Kopplung der Gelenke veränderte sich messbar. Zu Beginn lösten die Lernenden vor allem an der Schulter Freiheitsgrade, während Ellbogen und Handgelenk zunächst stärker miteinander gekoppelt blieben. Über die Übungszeit wurden Freiheitsgrade schrittweise freigegeben und funktional genutzt. Außerdem zeigte sich, dass die Art der Übungsumgebung das Muster der Veränderungen beeinflusst. Bei Aufgaben ohne Veränderung zwischen den Würfen unterschied sich das Bewegungsverhalten am Ellbogen signifikant von Schulter und Handgelenk. Bei Aufgaben mit Variation zwischen den Würfen verhielten sich Ellbogen und Handgelenk ähnlicher. Insgesamt belegt die Studie, dass Übungsbedingungen die Lernstrategie formen und dass Koordination während der Praxis systematisch von proximal nach distal reorganisiert wird.
Was bedeutet das für den Dart Spieler
Wer das Werfen neu lernt, stabilisiert anfangs Teile der Bewegung und gibt erst mit wachsender Übung mehr Bewegungsspielraum frei. Die Gestaltung der Übungsaufgabe prägt dabei, wie sich diese Koordination entwickelt. Übungsreihen mit gleichbleibenden Bedingungen fördern andere Kopplungsmuster als Reihen mit wechselnder Startposition oder bewegtem Ziel. Für die Einordnung von Technikveränderungen ist es daher wichtig, die jeweilige Übungsumgebung mitzudenken.
Nasu (2013, Proc. Sport Biomech.): „Experts vs. novices - timing variability & release window“
Nasu D, Matsuo T. Variability in timing and range of the time window of release in darts throwing. A comparison between experts and novices. In den Proceedings der Conference of the International Society of Biomechanics in Sports. Jahr 2013. Volltext als Kurzpaper verfügbar.
https://ojs.ub.uni-konstanz.de/cpa/article/view/5743/5233
Worum geht’s?
Die Arbeit vergleicht geübte Werferinnen und Werfer mit Anfängerinnen und Anfängern, um Unterschiede in der Variabilität des Timings und in der Größe des nutzbaren Zeitfensters für den Abwurf zu finden. Die zentrale Frage lautet, ob Könnerinnen und Könner entweder ein konstanteres Timing zeigen oder ob sie eine Bewegungsbahn verwenden, die ein größeres gutes Zeitfenster für den Release bereitstellt.
Wie wurde das untersucht
Acht Expertinnen und Experten sowie acht Novizinnen und Novizen warfen jeweils sechzig Darts auf das Bull. Die Bewegungen von Dart und Zeigefinger wurden mit sieben Kameras bei vierhundertachtzig Bildern pro Sekunde erfasst. Aus diesen Daten berechneten die Autorinnen und Autoren für jede Millisekunde eine Schätzung des erwarteten vertikalen Fehlers auf dem Board. Auf dieser Basis bestimmten sie zum einen die Streuung des Abwurfzeitpunkts und zum anderen die Dauer des Zeitfensters, in dem ein Loslassen voraussichtlich einen Treffer erzeugt.
Was kam heraus
Die Ergebnisse zeigen zwei Wege, die zu Präzision führen. Ein Teil der Expertinnen und Experten hatte ein sehr gleichmäßiges Timing und ließ den Dart nahezu immer im gleichen Moment los. Ein anderer Teil hatte keine geringere Timingstreuung als Anfängerinnen und Anfänger, traf aber trotzdem sehr gut, weil die Bewegungsbahn ein längeres nutzbares Zeitfenster bot. Damit bestätigt die Studie, dass hohe Genauigkeit entweder über konstantes Timing oder über eine bewegungsseitige Vergrößerung des Abwurf Fensters erreicht werden kann.
Was bedeutet das für den Dart Spieler
Präzises Werfen hat nicht nur einen einzigen Lösungsweg. Wer besser werden möchte, kann entweder daran arbeiten, den Abwurf immer im gleichen Moment zu setzen, oder die Bewegungsbahn so zu stabilisieren, dass mehrere nahe Momente im Ablauf zu einem guten Ergebnis führen. Welche Strategie besser passt, hängt von der eigenen Steuerung der Bewegung ab.
Wolfe et al. (2006) & Folgearbeiten: „Dart-Throwing Motion (DTM) of the wrist“
Wolfe S W, Crisco J J, Orr C M. The Dart Throwing Motion of the Wrist. Is it unique to humans. Volltext über PubMed Central verfügbar.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3260558/
Worum geht’s?
Die Arbeiten beschreiben eine typische Funktionsbewegung des Handgelenks, die beim Dartwurf und bei vielen Alltagsaktivitäten vorkommt. Diese Bewegung verläuft in einer schrägen Ebene von radialer Extension zu ulnarer Flexion und wird als Dart Throwing Motion bezeichnet. Sie nutzt vor allem das Mittelhandwurzelgelenk und hält die proximale Handwurzel in dieser Ebene relativ ruhig, was eine stabile Plattform für Kraftübertragung und Zielgenauigkeit schafft.
Wie wurde das untersucht
Die Konzepte stützen sich auf kinematische Analysen in vivo, auf Bildgebung mit hoher zeitlicher Auflösung und auf konsensbasierte Definitionen einer internationalen Expertengruppe. Bereits vor 2006 zeigte eine in vivo Studie, dass sich Scaphoid und Lunatum entlang der Dart Throwing Bahn anders verhalten als in reiner Beugung oder Streckung. Spätere Reviews und ein Konsensuspapier präzisierten danach die Begriffe und verankerten die Dart Throwing Motion als funktionelle Hauptebene des Handgelenks. Neuere Arbeiten ergänzten Referenzbereiche für den Bewegungsumfang sowie Messmethoden für die klinische Praxis.
Was kam heraus
Erstens verläuft die funktionell wichtigste Handgelenksbewegung in einer schrägen Ebene von radialer Extension zu ulnarer Flexion. Zweitens entsteht der Großteil dieser Bewegung im Mittelhandwurzelgelenk, während die proximale Reihe der Handwurzelknochen in dieser Ebene vergleichsweise stabil bleibt. Drittens zeigen Untersuchungen zur Bandinstabilität, dass die Dart Throwing Ebene die Belastung bestimmter Bandstrukturen verringern kann, was die praktische Bedeutung dieser Ebene zusätzlich unterstreicht. Schließlich liegen inzwischen Referenzwerte für den Bewegungsumfang und praxistaugliche Messverfahren vor, was Vergleiche zwischen Personen und über die Zeit erleichtert. Zusammen genommen ergibt sich ein konsistentes Bild einer schrägen, stabilen und alltagsnahen Hauptebene des Handgelenks, die auch den kurzen Schnappanteil des Dartwurfs gut beschreibt.
Was bedeutet das für den Dart Spieler
Für das Verständnis der Wurftechnik erklärt die Dart Throwing Motion, warum ein kurzer Schnappanteil des Handgelenks nicht als reine Beugung oder Streckung zu sehen ist. Vielmehr bewegt sich das Handgelenk in einer schrägen Ebene, die eine ruhige Basis im Handwurzelverbund erlaubt und die Kraft zielgerichtet weiterleitet. Wer Bewegungsanalyse oder Videoauswertung nutzt, sollte die Handgelenkbewegung deshalb entlang dieser schrägen Ebene betrachten und nicht nur in anatomischen Hauptachsen.